I hate you, Honey (German Edition), page 14
»Schau dir diesen verliebten Blick an. Zehn Mäuse darauf, dass ich weiß, über wen sie so verliebt nachdenkt.« Corey machte einen übertriebenen Knutschmund, ich boxte ihn genervt, aber lachend, auf den Oberarm.
»Autsch! Du schlägst wie ein Mädchen.«
»Ich bin eines, du Idiot!«
Eine Bewegung links ließ mich umdrehen. Blake hatte sich neben mich gesetzt und lächelte freundlich.
»Was hab ich verpasst?«
»Deine Braut schlägt wie ein Mädchen«, wiederholte Corey seine Aussage.
»Schlag ihm in die Eier und er wird das nicht mehr sagen«, erklärte Blake und holte sein Mathebuch heraus. Er schlug es auf, zwinkerte mir zu und begann zu lesen.
Amber
Die nächsten zwei Wochen vergingen wie im Flug. Zwischen Lernen und Dates mit Jill verbrachte ich auch viel Zeit mit Blake. Wir verabredeten uns zum Lernen, zum Kaffee oder sogar zum Mexikaner. Und diesmal war nicht ich es, die mit Javier Spanisch sprach; zu meiner Überraschung war es Blake gewesen, der fließend spanisch sprach und einen Heidenspaß daran hatte, über die mexikanische Football-Liga mit Javier zu reden. Verdammt, ich wusste nicht mal, dass in Mexiko Football gespielt wurde.
Es war eine tolle Zeit, auch wenn zu Hause vieles im Argen lag. Die Hoffnung, dass es auch wieder bessere Zeiten geben würde, starb bekanntlich zuletzt. Einerseits zählte ich noch die Monate, die mich hier in Berkeley hielten, andererseits genoss ich die Zeit hier auch.
Blake und ich diskutierten genauso oft, wie wir wild herumknutschten. Wir hielten Händchen, wenn wir über den Campus liefen, und stritten, wenn wieder mal ein Mädchen meinte, ihn angraben zu müssen. Er fand es urkomisch, wenn ich dem Mädel die Meinung geigte. Ich fand es weniger lustig.
Mein Verstand sagte mir, dass Blake niemanden so intensiv anstarrte wie mich, wenn er dachte, ich würde es nicht sehen. Ich musste ja nicht erst erklären, wie er mich ansah, wenn ich seinen Blick erwiderte. Jedes Mal wurde mir heiß und kalt zugleich. Ich wollte ihn am liebsten in die nächste Ecke ziehen und es endlich geschehen lassen, was wir seit Wochen nun mal nicht taten.
Und doch war mein stures Ich nicht bereit dem nachzugehen. Es war schon peinlich genug, dass er wusste, wie es in mir aussah. Für Blake war ich wie ein offenes Buch. Er bemerkte jede Stimmungsänderung und das faszinierte mich total an ihm. Noch niemand schaffte das. Niemand interessierte es oder gab sich die Mühe mich lesen zu wollen. Aber Blake tat das mit einer unerschrockenen Aufrichtigkeit. Er war nicht nur beim Football ein Kämpfer. Er war es auch im täglichen Leben.
Und jetzt stand ich hier. In der Sporthalle des Campus und bewunderte die Deko. Die Mottoparty fand dieses Jahr im 50er-und 60er-Stil statt. Jill und ich gingen wie schon zuvor abgemacht zusammen hin. Blake akzeptierte es. Aber auch nur, wenn ich ihm einen Tanz schenkte.
Jill hatte mir, wie auch für sich selbst, ein Vintage-Kleid der 50er-Jahre besorgt. Sie trug ein schwarzes mit weißen Punkten, ich ein knielanges rotes Kleid, ebenfalls mit weißen Punkten. Meine Haare waren leicht wellig, dazu trug ich ein dickes Stirnband. Vorhin musste ich lachen, als ich mich mit Jill im Spiegel betrachtete. Der knallrote Lippenstift und das restliche Make-up machten das Bild perfekt.
Und jetzt, da wir hier waren, fühlte ich mich schon wirklich in die Zeit zurückversetzt. Es gab eine Live-Band, die gerade irgendeinen alten Rocksong schmetterte.
»Wow. Es sieht toll aus«, sprach ich bewundernd.
»Hab ich dir nicht gesagt, dass es toll wird?« Jill zog mich zu einem Tisch, an dem ein paar Studenten saßen und ausgelassen feierten.
Soweit ich wusste, veranstaltete der Direx des Colleges die Mottoparty nur, damit die Studenten - also wir - Halloween nicht dazu nutzten, den gesamten Campus zu verunstalten.
»Die Musik ist toll und erst die Deko.« Jill war ganz in ihrem Element und blickte sich neugierig um. »Das wird ein toller Abend.«
»Oh ja, das wird er.« Ich zuckte zusammen, versuchte es aber nicht zu zeigen, als wir uns zu Blake umdrehten, und mein Herz mir wie immer verriet, wie es über ihn dachte. Er schaute nur mich an, was mich noch nervöser machte. Vor allem, als er seinen Blick von oben nach unten schweifen ließ, und ihm gefiel, was er sah. Das hatte ich in den letzten Wochen auch gelernt: Blakes Reaktionen zu deuten. Wenn er wütend war, dann presste er immer die Zähne aufeinander. Wenn er zufrieden war oder glücklich, lächelte er, als würde es kein Morgen geben. Vermutlich schaute ich genauso aus, wenn er in meiner Nähe war.
»Du siehst gut aus, Blake«, lachte Jill, und ich musste mir mein Grinsen verkneifen.
Aber es stimmte. Blake trug einen schwarzen Anzug. Darunter ein weißes Hemd, das zerknitterter nicht aussehen konnte, aber genau Blake widerspiegelte. Er war attraktiv, machte sich aber dafür nicht die große Mühe.
Seine Haare waren wie für die 50er-Jahre typisch zurück gegelt. Eine einzelne Strähne hing ihm vor die Stirn. Blake sah toll aus.
»Und ihr zwei wollt als Pin-up-Girls den Studenten hier den Kopf verdrehen, oder was?« Es war lieb von ihm, auch Jill mit einzubeziehen, obwohl er immer nur mich anschaute.
»Natürlich«, schnaubte Jill, schlug ihm auf die Schulter und hörte sich etwas verunsichert an.
»Gratulation. Der Erste hat schon seinen Verstand verloren«, sagte er.
Ich biss mir auf die Unterlippe, um den Druck irgendwie zu kompensieren. Hier über Blake herzufallen, wäre eine peinliche Sache geworden.
»Ich hol mir mal was zu trinken, dann könnt ihr euch in Ruhe mit den Augen ausziehen.«
Ich kam nicht mal dazu, Jill aufzuhalten. Auch Blake sah so aus, als hätte er noch etwas sagen wollen, aber dann entschied er sich wohl um. Denn bevor ich richtig nachdenken konnte, befand sich meine Hand schon in seiner und er zog mich Richtung Tanzfläche.
»Du hast es heute eilig, was?«, lachte ich und befand mich schon in seinen Armen, weil er mich mit zu viel Kraft an sich zog. Jedes Mal wenn ich ihm so nah kam, roch ich sein Duschgel und es war eine Folter. Natürlich wollte ich nicht sofort mit ihm schlafen, das hatte ich ihm mehrmals verständlich gemacht. Aber so langsam ... wurde es wirklich Zeit. Und dank der Beule, die ich wegen der Nähe zu ihm spürte, war er auch so weit.
»Du glaubst gar nicht, wie eilig«, flüsterte er mir ins Ohr, während wir mitten auf der Tanzfläche standen, eng aneinandergepresst und ... einfach nichts taten, als sich gegenseitig zu spüren.
Seine Hand lag tief auf meinem Rücken, Blakes Kopf lag an meinem Hals und ich erschauderte, weil ich die Zunge spürte, mit der er sehr kurz über meine Haut leckte.
»Blake«, seufzte oder stöhnte ich. Ich konnte mich gerade nicht auf meinen klaren Verstand verlassen. Er dafür umso mehr. Denn die Band begann plötzlich einen langsamen Song zu spielen und er grinste.
»Du hast mir einen Tanz versprochen, Honey.«
Wie wir genau auf die Tanzfläche kamen, konnte ich nicht mal richtig sagen. Wir standen einfach plötzlich hier und tanzten zu einem langsamen Song von Elvis.
Es war ein wunderschönes Gefühl, mit Blake zu tanzen. Er wusste genau, wie er sich bewegen musste. Auch das faszinierte mich.
»Du riechst so gut«, flüsterte Blake mir zu, während seine Lippen meine Schulter berührten. Nur ganz kurz. Aber es reichte aus, dass sich eine Gänsehaut bildete.
»Mmh«, war meine ganz clevere Antwort. Ich wollte auch gar nichts mehr sagen. Ich hatte meine Augen geschlossen und genoss es einfach, mit ihm zu tanzen. Auch Blake musste es so gehen. Er drückte mich noch näher an sich. Seine Hände strichen immer wieder von meinem Gesäß bis hoch zu meinem Nacken.
Mein Körper glühte regelrecht. Jede Berührung von ihm verwirrte mich so, dass ich zweimal darüber nachdenken musste, wie mein verfluchter Name war.
»Ich will ungern etwas beenden, das sich so gut anfühlt, aber Honey ...«
»Mmh?« Wieder bekam ich nicht mehr als dieses Summen heraus.
»Der Song ist längst vorbei und na ja ... wir sind die einzigen, die ...«
Ich hob schnell meinen Kopf und blickte mich um. Die Band spielte mittlerweile einen schnellen Song und dazu tanzten die Leute natürlich dementsprechend.
»Oh.« Sicherlich wurde ich rot. Wie peinlich. Ich hatte nicht mal mitbekommen, dass der Song gewechselt hatte.
»Das können wir doch besser, oder?« Blake ging nicht auf meine Röte ein oder ich bildete mir nur ein zu erröten.
»Ich kann es besser. Du musst mir erst mal zeigen, ob du deine Hüften bewegen kannst«, lächelte ich und konnte nicht schnell genug reagieren, als er mein Handgelenk ergriff und mich mit einem Ruck zu sich zog. Seine Lippen trafen fast auf meine, als er schmunzelte.
»Legen wir los!«
Blake
Heute Nacht konnte Amber mir mit sämtlichen Gründen kommen, es wäre mir egal. Sie war fällig. Verdammt, ich war fällig. Seit Wochen knutschten wir rum, hängten zusammen ab, lernten uns kennen und ... das würde ich, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, niemals anders machen. Dazu gefiel mir Amber Jenkins einfach zu sehr. Dazu ... mochte ich sie einfach zu sehr ... aber ich wollte sie auch endlich unter mir spüren!
»Hast du Durst?«, fragte ich sie, weil ich Ablenkung brauchte.
»Was zu trinken wäre toll.« Ihre Wangen glühten leicht, ihr Grinsen steckte an. Amber war aus der Puste, kein Wunder, weil aus einem Tanz gleich zehn oder so wurden. Aber warum sollte man aufhören, wenn es am schönsten war?
Ich war kein Idiot.
Händchen haltend liefen wir zum Tisch mit den Getränken. Es war schon völlig normal geworden, sie ständig zu berühren und mit ihr Hand in Hand über den Campus zu laufen. Wenn wir getrennte Seminare hatten, oder einer von uns beiden keine Zeit hatte, fehlte mir etwas. Ich wurde unruhig und suchte den Kontakt über das Handy. Es war unbestreitbar: Amber hatte mein Hirn und mein Herz gefickt. Aber ordentlich.
»Da seid ihr ja. Nick wollte schon eine Wette reißen, wann ihr endlich aufhört, einen auf Elvis zu machen«, lachte Winter und lallte schon ein bisschen. Was zum Teufel hatte der sich in einer Stunde schon wieder eingeflößt?
»Das nennt man Tanzen, Corey«, korrigierte Amber ihn. »Deswegen kommt man her, weißt du. Zum Tanzen.«
Verdammt. Winter kam diesmal ganz sicher nicht deswegen her. Ich wusste, dass er Kelly gefragt hatte, zwecks Begleitung, und wenn die hier war, dann ...
»Tanzen? Ich will flachlegen, Süße. Was ist jetzt? Kommt ihr mit? Wir wollen in kleiner Runde ein bisschen Fun haben.«
Und da wären wir schon bei einem Problem. Fun haben konnte vieles bei Winter heißen. Meistens wurde jemand gedisst, einer verprügelt oder ...
»Glotz nicht so finster, Alter. Wir wollen nur in kleiner Runde was trinken. Also, kommt ihr?«
Skeptisch starrte ich meinen Teamkollegen an.
»Warum nicht«, antwortete Amber plötzlich für uns, und Winter schien zufrieden. Dazu grinste er einfach übertrieben auffällig.
Wenige Schritte später bereute ich es schon. Diese »kleine« Runde, wie Winter meinte, bestand aus Jill, Nick, Jason, Kelly und Winter. Und jetzt hatten auch wir uns hier drauf eingelassen. Wir saßen abseits an einem kreisrunden Tisch und jeder hielt einen Becher in der Hand, der sicherlich mehr als nur Punsch beinhaltete.
So wie Winter schon drauf war, mussten das einige Drinks gewesen sein.
»Blake.« Kelly lächelte, aber wie immer erreichte es nicht ihre Augen. Und dass sie Amber nicht mal begrüßte, sagte alles aus.
»Du siehst aus wie ein junger James Dean!«
Ich verkniff mir das Lachen, und auch Amber schien leicht in der Versuchung zu sein, loszukichern.
»Wie sieht denn ein alter James Dean aus?«, fragte ich sie und Kelly schien tatsächlich darüber nachzudenken. Großer Gott, wie kam sie nur aufs College?
»Wir spielen »Ich habe nie«, verkündete Kelly plötzlich, und Winter jubelte, als hätten wir die NFL gewonnen.
Ich seufzte, weil das schon fast zu vorhersehbar war. »Ich habe nie ...?«, fragte Amber mich und setzte sich. Ich nahm direkt den Stuhl neben ihr.
»Das ist keine gute Idee«, mutmaßte Nick mit verschränkten Armen vor seiner Brust. Jill schaute genauso verwirrt aus, und hatte absolut keine Ahnung, was sie erwartete.
»Angst?« Kelly wollte Nick – und uns alle - vermutlich herausfordern. Und hatte leider auch Erfolg dabei. Nick schnaubte, und das war Antwort genug. Kelly verteilte noch die restlichen Becher an mich und Amber, dann ging es los.
»Einer stellt eine Lüge auf ... also zumindest sagt man es so. Und jeder, der das wirklich getan hat, gibt mit einem Schluck zu, es tatsächlich getan zu haben.«
»Das ist ein interessantes Spiel«, murmelte Amber.
»Interessant trifft es nicht ganz,« antwortete ich genervt.
Unsere Blicke trafen sich. Man, ist sie hübsch ...
»Ich fang an«, verkündete Kelly. Natürlich.
»Aaalso ...« Sie biss sich nachdenklich auf die Lippe. Wobei sie wohl nie wirklich oft ihr Hirn benutzte. »Ich habe noch nie ...« Ihr Blick suchte meinen. Fuck. »An einem ungewöhnlichen Ort gevögelt.« Kelly grinste so dreckig, als sie einen Schluck trank, dass mir keine andere Möglichkeit blieb. Seufzend trank ich auch. So einige Becher wurden gehoben und auch ... Amber. Nein. Nein. Nein.
»Wodka?«, fragte Amber und verzog das Gesicht.
»Zu viel für dich?«, fragte Kelly und zog eine Augenbraue in die Höhe.
»Baby ...«, hörte ich Nick seufzen, aber Jill starrte einfach nur geradeaus. Ihr Becher war eindeutig unberührt geblieben. Scheiße, wenn sie gleich heulen würde, wäre Nick am Arsch.
»Du bist dran, Blake«, lächelte Kelly, und wieder seufzte ich. Vor fünf Minuten konnte ich einfach nicht aufhören zu grinsen, weil es mit Amber so einen Spaß gemacht hatte, und jetzt? »Und wehe, du sagst nichts Interessantes.«
Ich konnte mir schon denken, was sie als »interessant« empfand. Aber auf den Scheiß würde ich niemals eingehen.
»Ich habe ...«, begann ich und hob den Arm, »… noch nie das Auto des Direx mit meinen beiden Idioten Nick und Winter angezündet.«
»Alter«, meckerte Nick, während ich einen Schluck nahm und auf der sicheren Seite war, als auch er und Winter - der übrigens lauthals lachte - einen großen Schluck tranken.
Amber schüttelte den Kopf neben mir, nichts anderes hatte ich von meinem Mathe-Genie erwartet. Kelly schien überaus unglücklich zu sein, weil ich keinen anderen Dreck ausgegraben hatte.
»Du bist dran«, sprach sie jetzt Amber an. »Oder hast du nichts Schönes für uns?«
Ich wollte schon etwas zu Kellys Sprüchen sagen, aber eine Bewegung neben mir stoppte es. Amber hob die Hand.
»Ich habe noch nie ...« Bitte sag nichts mit Sex ... bitte sage mir nicht durch die Blume, dass du überhaupt von irgendwem berührt wurdest. Wobei das bei Kellys Frage und Ambers Antwort schon wieder relativ egal ist ...
Amber hatte Sex. Vermutlich viel Sex. Wer würde sie nicht so oft wie es ging vögeln wollen? Okay, wir driften ab. Wirklich sehr tief ab ...
» ... für eine gute Abschlussnote mit einem der Professoren geschlafen!«
Es wurde still, verdammt still ... bis Kelly zähneknirschend tatsächlich den Becher hob und einen Schluck nahm. Nur Winter lachte, während ich Amber aufmerksam musterte. Aber diese stellte den Becher einfach ab und ... lächelte zufrieden. Jill kicherte unter vorgehaltener Hand.
»Zufrieden?«, zischte Kelly.
»Du wolltest spielen, Kelly«, antwortete Amber.
»Du bist dran, Nick.« Kelly lehnte sich genervt an den Stuhlrücken. Amber hatte ihr tatsächlich die Lust am Spielen genommen. Ich war beeindruckt.
»Baby ...« Nick schien immer noch mit Jill reden zu wollen, aber die starrte lieber ihre Fingernägel an. Das war hart.
Seufzend schüttelte er den Kopf. »Kein Bock zu spielen.«
Winter schnaubte abfällig.
»Du musst«, kam von Kelly.
Der Blick, den er Kelly zuwarf, sagte alles aus. Er musste gar nichts.
Dennoch hob er den Arm.
»Ich hatte noch nie gefühllosen Sex.« Seine Hand blieb oben, der Becher wurde nicht angerührt. Jetzt bildeten sich bei Jill Tränen und leider Gottes hob außer Kelly keiner den Becher. Alle starrten sie an.
»Was?« Kellys Wangen färbten sich extrem rot.
»Interessantes Spiel«, flüsterte Amber mir zu und sorgte dafür, dass ich mich zu ihr drehte.
»Da hast du recht!«
»Hast du ein Problem?«, fragte Kelly mich direkt.
»Ob ich ein Problem habe?«, wiederholte ich ihre Frage etwas zu laut. Aber das war mir gerade echt scheißegal.
»Ja.«
Ich holte einmal tief Luft und dachte noch einmal darüber nach. Es war ja kaum was. Sie gab zu, dass sie gefühllosen Sex hatte. Okay, das war für eine Studentin nichts Ungewöhnliches. Aber dass sie dabei nie etwas fühlte? Die Kerle mussten alle echte Idioten gewesen sein. Okay, das ist es. Es sind die Kerle gewesen. Alles gut. Sie hat vor mir nur Schwachköpfe gehabt. Ausraster abgewendet.
Weil ich mich wieder beruhigte, wandte ich mich wieder den anderen zu. Amber blickte mich noch ein paar Sekunden an, aber ich versuchte, es zu ignorieren.
»Du bist dran, wie auch immer du heißt«, sagte Kelly zu Jill.
»Sie heißt Jill«, fauchte Amber genervt.
»Ja, ja.« Kelly verdrehte dabei die Augen.
Jill lächelte Nick an. Da würde sicherlich nichts Dramatisches kommen. Ich atmete schon erleichtert auf, als sie den Becher hob und sagte: »Ich habe noch nicht Sex mit 10 oder mehr Leuten gehabt.« Jill fand das wohl total witzig, als sie anfing zu kichern. Nick schüttelte grinsend den Kopf, als beide tatsächlich nicht tranken. Wollte Nick uns verarschen?
Ich nahm meinen Schluck und hielt mitten in der Bewegung inne, als auch Amber neben mir trank.
»What the fuck? Du willst mich umbringen, oder? So ist es doch!« Ich dachte nicht nach, ich sprach einfach.
Amber trank in Ruhe ihren verfickten Wodka, während ihre Augenbraue wieder in die Höhe schoss.
»Wenn du etwas sagen willst, dann sprich es aus!«

